Sitzwache


Eine Installation repräsentativer screenshots aus dem Facebook-Album > loop|pool von > Heinrich Dubel Berlin, realisiert im Rahmen der Ausstellung > Stay Hungry. (Berlin, April 2011)
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Sitzwache ist ein Begriff aus dem Bereich der medizinischen Pflege. Er bezeichnet die Beaufsichtigung eines Patienten, bis dieser aus der Narkose aufwacht, oder das nächtliche Bewachen psychisch auffälliger Patienten, die andernfalls umherirren, aus dem Bett fallen oder sich etwas antun würden. Zudem wird der Beistand am Sterbelager als Sitzwache bezeichnet.

Die Installation Sitzwache besteht zum überwiegenden Teil aus Prints von während diverser Sitzungen aus dem > Facebook aufgenommenen screenshots, sowie aus einem sehr kleinen Anteil gefundenen Materials.

Die Installation Sitzwache thematisiert Zeit – als Augenblick, als Dauer von Langeweile oder nützlichen Schaffens, als besonderen Moment der Erfüllung oder Erkenntnis, als Verschwendung. Da hineingefaltet sind das Facebook und der Schrebergarten als Behauptung sozialer Netzwerke.

Das Facebook tritt auf als Synonym für vor dem Computer verbrachte und verbrauchte Zeit, in der banalstes, flüchtigstes Gedankentum, in Milisekunden fernübertragen und (mit)geteilt, Wohlgefühl oder Frustration erzeugen kann. Doch ignoriert die Arbeit die Darstellung solchen Gedankentums zugunsten der Darstellung einer ebenso banalen Peripherie – jenen screenshots, die angezeigte und damit bereits vergangene Zeit und fehlerhafte oder schlicht seltsame Werbungen abbilden.

Bühne für diesen Auftritt gibt ein Gemeinwesen ab, das – obwohl doch weit von einer solchen Wirklichkeit entfernt – letzlich der Idee von Heimaterde oder Scholle und damit von Beständigkeit verhaftet ist, ein Gemeinwesen, in dem die Zeit einerseits gemächlich vergeht, andererseits unermüdlich mit als sinnvoll empfundenen Tätigkeiten verbracht wird. Die Abläufe sind den Anforderungen der Natur bzw. des Kleingartenbaus nachgerichtet. Dem Beschnitt der Hecken ebenso wie dem Herrichten der Kaffeetafel sind feste Zeiträume und Zeitpunkte zugeordnet.

Beide, das Facebook und der Schrebergarten, sind zunächst Refugien vom Alltag, die bei häufiger Nutzung meist zügig selbst ins Alltägliche fallen.

Die Installation Sitzwache schreibt den Nutzern beider communities einen Hang zum Kitsch zu, hier repräsentiert durch die Verwendung von Bilderrahmen aus dem Billigmarkt.
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19. April 2011 – Skizze
20. April 2011 – Umsetzung (Foto: Anna Redeker)
21. April 2011 – Rezeption (Foto: Remco Schuurbiers)

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